Vorstellung

Ich stelle mir das so vor:

Sie steht plötzlich vor mir und sagt: „Hallo, ich bin deine große Liebe.“
Und ich stehe da mit offenem Mund und sage: „Ok, was soll ich tun.“
Worauf sie sagt: „Schau, du gehst jetzt mal mit mir mit und wir machen einen Spaziergang. Währenddessen kannst du mir alles mögliche erzählen über dich, was du machst, was du denkst, was du eigentlich machen möchtest, über Gott und die Welt. Und ich werde immer wieder interessiert eine Frage stellen, sodass du dich zunehmend sicherer fühlst und spürst, wie du endlich aus dir herausgehen und mich in dein Inneres hineinlassen kannst. Zwischendurch lasse ich kleine Bemerkungen über mich fallen, damit du die Chance hast, auch einmal nachzufragen, zeigen kannst, dass du gut im Zuhören bist, zum Schluss kommst, dass ich jetzt genau das bin, was du gesucht hast.
Und wir werden an einen Fleck kommen wo die Sonne gerade aufgeht, oder unter, oder hinter mächtigen Wolkentürmen hervorschaut über dem rauschenden Meer oder alles ist grau und ruhig und friedlich. Und du wirst dir denken, genau so, genauso hab ich mir das vorgestellt nur nie gesehen, aber jetzt, jetzt erkenne ich es wieder, das ist es. Und du wirst mich anschauen, nicht wissend wie und ich werde dich umarmen und küssen und so bleiben wir dann und vergessen die Zeit.
Also, so machen wir das, ist das ok für dich?“
Ich stehe da und denke, dass das eigentlich verdammt viel ist, was du da für mich tun willst und ganz langsam gelange ich zur Frage: „Bin ich denn auch deine große Liebe?“
Du lachst, nimmst meine Hand und gehst voran: „Willst du’s wissen?“

Ja, so stelle ich mir das vor. Aber es ist wohl ein bisschen viel verlangt.