Bewerbungsschreiben

Liebe Standard-Menschen!

Ich darf mich Ihnen als der geradezu ideale Kandidat für die Viennale-Publikumsjury vorstellen. Wie meinem Lebenslauf zu entnehmen ist, bin ich der Albtraum neoliberaler Leistungsprediger sowie der fleischgewordene Beweis, dass auch Studiengebühren keinen wirksamen Anreiz für den zügigen Abschluss einer tertiären Ausbildung bieten. Es war aber weniger Faulheit als vielmehr ein breitgefächertes Interessensspektrum, welches mein nach Holismus strebendes Selbst an der Beengtheit und Fachtrottelei einzelner Studienrichtungen verzweifeln ließ.

Durchaus studiert, mit heißem Bemühen, stelle ich nun meine wie einen guten Komposthaufen aus verschiedensten Substraten angehäufte cerebrale wie emotionale Vielschichtigkeit Ihrer werten Jury zu Verfügung. Gerne gebe ich zu, Filmfreund doch kein –fanatiker zu sein, so werden sich in meinen Kritiken etwa keine Verweise auf verkannt gebliebene Regiegrößen finden, ich bewerte Filme in der Gesamtheit ihrer Wirkung auf mich Subjekt (Sie wissen schon, dieser holistische Drang von dem ich sprach), ohne die interessanten Details aus dem nimmermüden Auge zu verlieren.

Dass ich bei meinem unsteten Lebenswandel zeitlich äußerst flexibel bin, gedenke ich nicht extra betonen zu müssen.

Es verbleibt in Vorfreude auf die zukünftige Jurytätigkeit mit freundlichen Grüßen,

Ihr idealer Kandidat

Gregor Fröhlich

PS: Auf irgendeinem Seminar hab ich mal gehört, dass man Bewerbungsschreiben selbstsicher und unter Vermeidung des Konjunktivs verfassen soll. Also wenn das jetzt nichts war, dann können die mich alle mal…