Das war’s


B: Vielleicht sollten wir einmal Klartext reden

A: Klartext?

B: Ich meine. Offen miteinander.

A: Wie stellst du dir das vor?

A: Offen miteinander. Wir reden nicht offen miteinander, können nicht offen miteinander reden, weil du nicht offen reden kannst. Weil du nicht einmal dem Kellner beim Italiener sagen kannst, dass du eine Capricciosa und keine Cardinale bestellt hast und dass er noch immer nicht das Glas Leitungswasser gebracht hat, was wohl auch daran liegt, dass du eigentlich nie etwas bestellst, nein du fragst untertänigst nach , ob man dir etwas bringen kann, als ob sich irgendwer irgendwo etwas um deine Nettigkeit scheißen würde, denn bekommst du jemals was du willst, nein, man mag ja sogar den Eindruck gewinnen und das kann man auch keinem verübeln, dass du nämlich gar nicht willst, was du sagst, du erbittest dir etwas, weil es dir die Höflichkeit so gebietet, das in einem Lokal zu tun, so wie du einen Großen Brauen und keinen Kleinen bestellst, weil dir das sonst zu mickrig vorkommt, nicht weil du zeigen willst dass du Geld hast, als ob das nötig wäre, aber für einen kleinen Braunen ein Lokal und seine Belegschaft zu belästigen, nein, das macht der Herr nicht, da nippt er lieber am inzwischen kalten Kaffee, denn ein leere Tasse vor sich zu haben ohne nachzubestellen ist erst recht unmöglich, aber soll ich dir was sagen, du wirst trotzdem minimum fünf mal ignoriert wenn du dann zahlen willst, was dich aber gottlob nicht daran hindert, Trinkgeld zu geben. Und hast du dich jemals darüber beschwert, das ausgesprochen. Zumindest mir gegenüber. Anstatt dass du deine Lippen zu einem gequälten Lächeln und einem Na sowas formst, als ob dir das zum ersten Mal passieren würde, so ein beschissener Lügner bist du, denn Leute die nichts offen aussprechen können, sind auch unfähig zu lügen, das eine setzt das andere voraus.

B: Du machst es mir auch nicht gerade leicht.

A: Natürlich. Bitteschön. DU kommst mit deinem Leben nicht zurecht, aber ich bin immer für dich da, damit du MIR die Schuld dafür zuweisen kannst, das Problem ist, dass ich es dir viel zu leicht mache, aber ich liebe dich ja auch, aus welchen gottverdammten Gründen auch immer, das ist wohl meine grundlegende Fehlfunktion in dem ganzen Schlamassel, ich liebe dich, aber ich sag dir eins, wenn du das tatsächlich infrage stellen willst, mit einem o f f enen Gespräch, bei dem du mir mit irgendwelchen geklauten Sätzen vorzugaukeln versuchst, ein anderer zu sein, ich sage dir, irgendwann bin ich dann weg. Wirklich weg. Weißt du was das heißt, weg. Hier geht’s nicht um eine Bestellung, die vergessen wurde. Du hast mich dann verloren.

B: Ich habe manchmal das Gefühl, dich schon verloren zu haben.

B: Ich glaube zeitweise, dass du schon weg bist.

A: Blödsinn.

A: Das ist ein Blödsinn. Siehst du, von wegen offen reden, du beginnst mich anzulügen, uns anzulügen.

B: Ich versuche, Klarheit zu schaffen. Ich möchte Klarheit haben.

A: Klarheit? Um Himmels Willen, was redest du von Klarheit. Das ist doch völlig sinnlos, wir sind unklar. Wenn wir Klarheit wollten, dann… Weißt du wie oft ich gefragt wurde, wieso wir beide zusammen sind und ich keine Antwort wusste und keine finden wollte… Und du machst das jetzt kaputt. Der einzige Weg, Klarheit zu finden ist es kaputt zu machen.

A: Ich frage mich, wieso wir noch zusammen sind.

B: Weil wir nicht anders können.

A: Wollen.

B: Gut, wollen.

A: Weil du nicht willst.

B: Du willst also weg.

A: Nein. Du willst es nicht. Und ich kann nicht, solange du nicht willst.

B: Du machst es von mir abhängig. Von mir, obwohl du ganz genau weißt, dass ich so eine Entscheidung nicht treffen kann. Ich kann es nicht. Als ob’s bei mir ums Wollen ginge. Ich kann diesen Schritt einfach nicht machen und das weißt du ganz genau. Du kennst mich gut genug. Also wenn du mir die Entscheidung überlässt, im Wissen, dass ich dazu nicht fähig bin, dann heißt das für mich, dass du offenbar auch nicht wirklich weg willst. Deswegen bist du auch noch da. Sind wir da. Gemeinsam.

A: Deswegen sind wir noch da.

A: Weißt du noch, dass wir einmal der Meinung waren, die Grundlage einer Beziehung müsste sein, auch ohne dem Anderen zu können.

B: Ja.

A: Also, was ist daraus geworden. Was ist aus uns geworden.

B: Gar nichts. Natürlich können wir ohne einander. Darum geht es nicht. Wenn du jetzt gehst, dann. Es wird schon weitergehen. Ich werd schon nicht irgendwo hinunterspringen. Ich kann mir nichts antun. Allein schon, weil ich dir das nicht antun kann.

A: Herrgott noch mal, das kann doch nicht der Grund sein. Hier geht’s nicht um mich. Um das was ich aushalten kann, oder was ich will. Es geht darum was du willst. Sag doch endlich einmal offen, was du willst.

B: Ich weiß es nicht.

B: Ich bin mir nicht mehr sicher.

A: Du hast Angst davor, dass es vorbei ist.

B: Nein, eigentlich nicht. Ich habe immer gewusst, dass unsere Geschichte ein Ende haben wird. Dass unsere Geschichte ein Ende braucht. Das gehört einfach dazu, davor hab ich keine Angst.

A: Spiel nicht den Abgeklärten. Du musst nicht immer versuchen, es mir leicht zu machen.

B: Nein, weißt du wovor ich Angst habe. Vor dem Neubeginn. Wieder ein Kapitel aufzuschlagen, diesmal ohne dich. Angst vor dem Anfang, vor dem leeren Blatt Papier. Vor dem Weitermachen, vor dem Verarbeiten von dem, was zwischen uns wahr, davor, dass du dann eine Erinnerung bist, konstruiert und abgeschlossen, diese wunderschönen Momente der Wahrheit, der Ewigkeit, nicht mehr lebendig sondern eingerahmt als Bild an der Wand. Natürlich kann und werde ich dich nicht vergessen, aber viel schlimmer, ich werde dich festmachen, dir einen Platz zuweisen in der Geschichte meines Lebens. Ich habe keine Angst vor den neuen Erfahrungen, aber davor, was aus den bekannten werden wird. Das soll es dann gewesen sein. Dafür das alles.

A: Ja.

B: Das kann es doch nicht sein.

A: Doch. Es ist so. Es ist immer so, wie es ist. Das weißt du doch. Du redest von Wahrheit, das hier, das ist die Wahrheit. So wie wir uns gerade fühlen, das ist wahr. Daran ist nichts falsch. Und ich denke, wir empfinden dasselbe füreinander, wir bringen es nur anders zum Ausdruck. Aber wir müssen es akzeptieren. So wie wir zu dem ja gesagt haben, dass uns zueinander gebracht hat, trotz aller Schwierigkeiten, so müssen wir jetzt eben… Ja. Es hat sich eben verändert, wir haben uns verändert, aber das war doch klar. Du hast mir doch gesagt, die Veränderung sei das Weltprinzip, die Ewigkeit, nicht der Stillstand.

B: Ich weiß. Ich weiß doch.

A: Also. Wir sind ja gottseidank nicht böse aufeinander. Wir sind gut miteinander umgegangen, gehen gut miteinander um. Also lass und das auch noch gut machen. So auseinandergehen, wie wir uns immer gesagt haben, dass das gehen soll. Weil einfach… Ja.

B: Weil einfach etwas fehlt.

A: Vielleicht. Vielleicht ist es auch einfach zuviel.

B: Ich weiß. Ich weiß das und ich verstehe es. Ich verstehe das alles, ich kann das alles verstehen. Es ist nur so…

B: Es macht nur keinen Sinn.

A: Es war sehr schön mit dir.

B: Ja. Das war’s.